Nachdem wir gestern erst spät nach ‚Saigon‘ gekommen sind, konnten wir nichts mehr von der Stadt sehen. Nach einer guten Nacht und einem noch besseren Frühstück gingen wir auf Entdeckungstour.
‚Ho Chi Minh Stadt‘ ist mit neun Millionen Einwohnern die größte Stadt und das wirtschaftliche Zentrum von Vietnam. Unter dem alten Namen ‚Saigon‘, der weiterhin noch verwendet wird, war sie bis April 1975 die Hauptstadt der ‚Republik Vietnam (Südvietnam)‘. Sie wurde 1976 um den nordvietnamesischen Staatschef ‚Ho Chi Minh‘ zu ehren und wohl auch um die Südvietnamesen und Amerikaner zu demütigen, auf ‚Ho Chi Minh Stadt‘ umbenannt.
Als erste Sehenswürdigkeit in der Stadt besuchten wir das ‚War Remnants Museum‘. Hier wir die Zeit des ‚Indochinakrieges‘ (gegen die Besatzung durch die Franzosen) und des ‚Vietnamkrieges‘ (gegen die USA) aufgearbeitet. Und dies in sehr objektiver Form. So sind zwar Kriegsverbrechen der Amerikaner dokumentiert, jedoch keine der ‚Nordvietnamesen‘ oder des ‚Vietcong‘.
Vor dem Museum ist schweres amerikanisches Kriegsgerät zu sehen, dass die Nordvietnamesen entweder erbeutet hatten oder die Amerikaner bei ihrer Flucht aus Vietnam zurücklassen mussten.
Im Inneren des Museums sind auf drei Stockwerken diverse Ausstellungen zu sehen, die sich jeweils eines besonderen Themas annehmen. So zum Beispiel:
Agent Orange: Dieses von den Amerikanern großflächig über Vietnam versprühte chemische Mittel, hat nicht nur wie beabsichtigt die Bäume entlaubt, sondern ist bis heute bei Freund und Feind für massive gesundheitliche Schäden wie unter anderem Krebs, Immunschwächen und Fehlbildungen bei Kindern verantwortlich.
Waffen: Eine Fülle von Gewehren, Granatwerfern sowie die dazugehörige Munition wir hier gezeigt.
Opfer des Krieges: Wie schon immer in einem Krieg gibt es Opfer. Mal sind sie auf der einen, mal auf der anderen Seite. Vertreibung, Folter, Vergewaltigung, Tod: die Ingredienzen eines jeden Krieges. Hier sind nur die harmloseren Fotos der Ausstellung zu sehen.
Kriegsgefangene: Erschütternde Briefe von Kriegsgefangenen an ihre Väter, Mütter, Frauen und Kinder bzw. auch umgekehrt, die zeigen, dass ein Krieg zwar von Massen geführt wird, jedoch im Grunde genommen sehr individuell ist.
Das Napalm Mädchen: Am 8. Juni 1972 bombardierten US-Truppen den Bezirk ‚Trang Bang‘ mit 'Napalmbomben'. Dabei setzten sie mehrere Dörfer in Brand, aus denen die Zivilisten flohen und um ihr Leben rannten. Unter den Flüchtenden war ein neunjähriges Mädchen namens ‚PhanThi Kim Phuc‘. Ihre Kleider begannen zu brennen und jemand riss sie ihr vom Körper. Doch nicht nur ihre Kleider, auch 30 % ihrer Haut verbrannten. Der Kriegsberichterstatter ‚Nick Ut‘ machte dieses Foto, kümmert sich jedoch auch um das Mädchen. Trotz ihrer schweren Verbrennungen überlebte sie. Unzählige Operationen, die letzte davon 2022, musste sie über sich ergehen lassen.
Das Foto wurde unter dem Namen ‚The Terror of War‘ weltberühmt und mehrfach preisgekrönt. Es sorgte in den ohnehin schon kriegsmüden USA für großes Aufsehen und war Wasser auf die Mühlen der Anti-Vietnambewegung und beschleunigte dadurch den Rückzug der USA aus Vietnam.
Anschließend brauchten wir eine kleine Kaffeepause, um dann weiter zum ‚Wiedervereinigungspalast‘ zu gehen. Dieser Palast war die Residenz und der Arbeitsplatz des ‚Präsidenten von Südvietnam‘. Am 30. April 1975 durchbrach ein nordvietnamesischer Panzer diese Eisentore des Palastes und markierte damit das Ende des Vietnamkrieges.
Da der Palast in den Kriegs- und Nachkriegswirren nicht zerstört und geplündert wurde, ist die prunkvolle Einrichtung noch heute unversehrt zu sehen.
Weiter ging es zur ‚Notre Dame von Saigon‘. Die 1880 fertiggestellte Kathedrale, deren gesamtes Baumaterial aus Frankreich stammt, wird zurzeit saniert und war daher nicht zugänglich. Am Kirchenschiff kann man von außen schon den Renovierungsfortschritt erkennen.
Nun gingen wir entlang einer mit Drachen gesäumten Fußgängerzone vorbei am ‚Ho Chi Minh Rathaus‘, und dem ‚Stadttheater/Opernhaus‘.
Schließlich landeten wir beim 2010 erbauten ‚BitexcoFinancial Tower‘, der mit seinen 265,5 Metern eines der höchsten von ganz Vietnam ist. Im und am Turm gibt es viele Arbeitsplätze. Die herausragende Plattform im 50 Stockwerk ist als Hubschrauberlandeplatz konzipiert.
Wir ließen uns mit dem Aufzug in nur rund 30 Sekunden in den 49 Stock auf das ‚Saigon Sky Deck‘ bringen. Von dort hatten wir einen schönen Rundblick auf ‚Ho Chi Minh Stadt‘. Hier konnten wir ein wenig von den gut 10 Kilometern, die wir schon in den Beinen hatten, ausruhen und zum Tagesabschluss die Aussicht in aller Ruhe genießen.